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05.04.2016
Soloauftritt für die Grande Dame des Hyde Park
Lesedauer des Artikels: 2.65 Minuten
05.04.2016
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Soloauftritt für eine Grande Dame: Irgendwo, in einer der vielen schummrigen Nischen zwischen Bühne und Bar, fällt geräuschvoll eine Tür ins Schloss. Das Echo sachter Schritte hallt in den Kulissen. Durch die Dachfenster rieselt ungewohntes Tageslicht auf die Tanzfläche. Keine Musik, keine Gäste – die völlige Abwesenheit von Party. Verdächtig friedlich gibt sich der Hyde Park, Osnabrücks aufmüpfige Kultdisco, zu dieser Stunde. Als sei nie auch nur eine Schlagzeile über seinen ausgeprägten Hang zum Non-Konformismus bekannt geworden, und als hätte er auf den Besuch seiner Ziehmutter Conny Overbeck schon geduldig gewartet. So ganz traut die hoch gewachsene 62-Jährige dem Braten denn auch nicht, als sie – die Hände tief in die Taschen ihrer Jacke gestopft, das hölzerne Rondell durchquert.
38 Jahre ist es nun schon alt, ihr wildes Kind. Und noch immer hält der ewig pubertierende „progressive Musikladen“ seine Erfinderin, Inhaberin und Fürsorgerin in Atem. Die Bilanz der vergangenen Nacht: Die komplette Deckenbeleuchtung ist durchgebrannt. Und das Türschloss für den Backstage Bereich hat auch etwas gelitten. „Bis heute Abend müssen wir das wieder hinkriegen“, mahnt Mitarbeiter Simon Schlautmann seine Chefin. Conny Overbeck seufzt, nickt und zündet sich erst mal eine Zigarette an. „Ich kümmere mich drum“, sagt sie mit ihrer rauen Stimme. Inhaliert den Rauch, lässt ihren Blick in die Rund schweifen – und lächelt still. „Seit Juni 1976 mache ich das jetzt“, sinniert sie. Etwas ungläubig. Etwas erschöpft. Aber sichtlich zufrieden.
„Manchmal, wenn ich sporadisch nachts her komme und eine Runde drehe“, erzählt sie, „sprechen mich junge Gäste an: ‚Sind Sie die Conny?‘, fragen die dann: ‚Ich soll Sie ganz lieb von meiner Oma grüßen – die ist früher auch immer in den Park gegangen‘“. In Conny Overbecks Lächeln mischt sich unverhohlene Wehmut. Total nett finde sie solche Begegnungen, beteuert sie. Aber: An den Kindern merkt man eben auch, dass man älter wird. „Die besten Zeiten für mich – das waren die Anfänge im Schweizerhaus an der Rheiner Landstraße, als ich noch jung war.“ Sie nickt, schließt die Augen und drückt auf die geistige Rückspultaste: „Natürlich auch das Zirkuszelt mit dieser einmaligen Atmosphäre. Die Konzerte mit den Dead Kennedys und Black Flag, mit Canned Heat oder Eric Burdon.“ Wirklich stolz ist sie darauf, dass immer alle rein gekommen sind, in ihren Park:
»Ob einer Turnschuhe getragen hat oder Stiefel – wir haben hier nie sortiert«, sagt Conny Overbeck, »und es hat immer gepasst. So ist das auch heute noch. Hauptsache, keiner macht Theater.«
2020 läuft der Pachtvertrag mit der Stadt Osnabrück für das Gelände am Piesberg aus: Der mittlerweile dritten Adresse ihres nicht ganz grundlos als konsequentem Nachbarschaftsschreck berüchtigten Zöglings. Bis dahin will sie weitermachen. Und danach? „Mal sehen, ob’s dann genug mit dem Rock’n’Roll gewesen ist“, raunt sie mit nachdenklichem Timbre, bläst den Rauch ihrer Zigarette in die Arena – und es scheint, als schaute sie dem Hyde Park bei dieser Aussage unverblümt ins Gesicht: gelassen und herausfordernd zugleich. Dann lässt sie das Feuerzeug und die Schachtel mit den Zigaretten in die Jackentasche gleiten und verabschiedet sich. Sie muss jetzt los: in den Baumarkt – ein neues Türschloss besorgen.
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3 Kommentare
Schengber
30. August 2023 um 13:49
Ich war eine der Mädels, die immer gerne im Hyde Park war, um zu tanzen oder einfach Leute zu treffen. Mich hat besonders die Musik angezogen. Ehrlicher und guter Rock ’n Roll. Das gab es in den 80 iger Jahren nur bei Conny.
Ich muss allerdings auch ehrlich gestehen, dass ich nach Schließung des “ Schweizer Hauses “ nicht mehr so gern im Park war. Es war eben anders.
Nichts desto trotz, hat Conny einen super Job gemacht.
Hut ab dafür…😎😎
Lisa Hoff
27. September 2023 um 17:33
Danke, dass du hier deine persönlichen Eindrücke mit uns teilst 🙂
Peter
2. Juli 2017 um 5:07
Ich bin zwar kein konsequenter Besucher des Hyde Park mehr (man wird ja älter), aber dieser Laden ist und bleibt Kult und muss unbedingt weiterbestehen! An dieser Stelle auch einen schönen Gruß an Conny, du hast das in all den Jahren perfekt gemeistert und dafür ziehe ich meinen Hut! Du hast alle Höhen und Tiefen mit so viel Kraft gemeistert und hast dich niemals unterkriegen lassen, das soll dir erstmal einer nachmachen! Du bist der Park und ich hoffe das wird noch lange so bleiben!
Mach das weiter solange du kannst, der Rock’n’Roll stirbt niemals!